Integration unter dem Frauenaspekt

Heinisch-Hosek: Mehrsprachigkeit essentiell für Integration
SPÖ-Sprecherin für Integration und Migration Angela Lueger appelliert: Barrieren für Migrantinnen beseitigen

Der SPÖ-Parlamentsklub hat am Mittwochvormittag zu einer Enquete zum Thema "Integration unter dem Frauenaspekt", der zweiten Veranstaltung der Reihe "Miteinander reden – Miteinander leben – Gemeinsam die Zukunft gestalten", ins Parlament geladen. Mehr als die Hälfte der Menschen in Österreich sind Frauen, mit Stand Anfang 2012 waren 18 Prozent von ihnen Migrantinnen, die meisten aus Deutschland, gefolgt von Serbien, Montenegro und dem Kosovo. "So vielfältig die Länder sind, aus denen die Frauen nach Österreich kommen, so vielfältig sind auch ihre Herausforderungen und Hürden", sagte SPÖ-Bereichssprecherin für Integration und Migration Angela Lueger. Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek hielt bei der Enquete ein Einleitungsstatement.

Für Heinisch-Hosek sei es als Frauenpolitikerin sehr wichtig, sich des Themas "Frauen und Integration" anzunehmen. Wien und Umgebung sei die bevölkerungsreichste Region Österreichs, dort gebe es auch den höchsten Anteil an Frauen mit Migrationshintergrund. "Auf die Bildungschancen der Mädchen wird hier besonderes Augenmerk gelegt; die Stadt Wien initiiert seit Jahren gute Integrationsprojekte", betonte die Ministerin, und führte aus: "Gutes Zusammenleben kann man nicht per Gesetz vorschreiben, das ist ein langwieriger Prozess." Sprache sei dabei eines der wesentlichsten Elemente: "Mehrsprachigkeit ist exorbitant wichtig, dieser Schatz darf nicht unterbewertet werden", betonte die Ministerin die Notwendigkeit, eine Erstsprache zu beherrschen, um eine neue zu erlernen. "Das ist für uns Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten sehr wichtig." Sehr wichtig seien auch Frauen, die andere Frauen mit Migrationshintergrund in ihrer Muttersprache beraten und begleiten können, etwa im Gesundheitsbereich. Das Frauengesundheitszentrum FemSüd in Wien sei etwa ein gutes Beispiel für "gelebte Mehrsprachigkeit".

Die Gruppe der Migrantinnen sei "höchst heterogen", betonte die Frauenministerin. Angela Lueger erklärte, dass zum Beispiel die Bildungsgrade der Migrantinnen sehr unterschiedlich seien und dementsprechend die Hürden in Österreich divergierten: Ein Anteil der Frauen sei sehr hoch qualifiziert, mit akademischem Abschluss – aber die Anerkennung dieser Abschlüsse dauere zu lang -, und eine große Anzahl der Frauen – oft die, die schon länger in Österreich sind – hätten maximal einen Pflichtschulabschluss. "Diese Barrieren müssen wir beseitigen", bekräftigte Lueger.

Heinisch-Hosek unterstrich die Bedeutung der "unzähligen Beratungsstellen" und Vereine wie "Wirtschaft und Integration", der die Ministerin bei der Suche nach großen Unternehmen für das Projekt "anonymisierte Bewerbungsverfahren" unterstützt hat. "Viele Frauen mit Migrationshintergrund werden in der Privatwirtschaft wegen ihres Namens oder Fotos erst gar nicht zum Erstgespräch eingeladen." Vereine wie diese seien eine wichtige Unterstützung für die Politik. Auch die soziale Durchmischung beim Wohnen sei eine "wichtige Weichenstellung für einen guten Integrationsprozess".

Im weiteren Verlauf diskutieren Angela Lueger, Gudrun Biffl von der Donau-Uni Krems und Petra Draxl, Leiterin der Landesgeschäftsstelle des AMS Wien über "Migratinnen am Arbeitsmarkt". Danach thematisieren Elisabeth Harrasser, Koordinatorin des Lernzentrums im LEFÖ, Amela Mirkovic, Vertreterin des WUZ – Frauenverein für Integration, Bildung und Kultur sowie SPÖ-Frauensprecherin Gisela Wurm "Anforderungen an und Bedürfnisse von Migrantinnen".