Armutsbericht aus frauenpolitischer Sicht

„Die beste Strategie gegen Frauenarmut hat drei Elemente: Vollzeit statt Teilzeit; mehr und bessere Kinderbetreuung, und zwar in ganz Österreich; und die Höherqualifizierung von Frauen, denn Bildung ist und bleibt der beste Schutz gegen Frauenarmut.“ (Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek)

Heute haben Sozialminister Rudolf Hundstorfer und Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek den neuen Armutsbericht präsentiert. Die beiden Hauptaussagen aus frauenpolitischer Sicht können so zusammengefasst werden:

1. Hauptaussage:

Das beste Schutzschild gegen Armut ist eine eigene Arbeit. Am eindrucksvollsten zeigt sich das, wenn man sich Haushalte mit Kindern und Alleinerzieherinnen anschaut (Alleinerzieherinnen: Armutsrisiko sinkt von 57 Prozent auf 18 Prozent)

* Aber nicht jede Art von Arbeit hilft. Es braucht mehr Vollzeitarbeit. Die Teilzeitquote von fast 50 Prozent in Österreich ist viel zu hoch, denn Teilzeit kann zur Armutsfalle werden. Ganz besonders deutlich ist das in der Pension zu sehen: Alleine lebende Frauen sind doppelt so armutsgefährdet wie Männer (26 Prozent vs. 13 Prozent).

* Was heißt das für die Politik? Es gilt, die Kinderbetreuungs-Offensive der letzten Jahre fortzusetzen. Es braucht noch mehr Geld für den Ausbau von Ganztagesbetreuung. Nur so können Frauen auch einer Vollzeitarbeit nachgehen, von der sie gut leben können. Dafür hat die Frauenministerin auch schon ein Modell vorgeschlagen: Wir wollen die Familienförderung einfacher, gerechter und treffsicher machen. Das hieße: Jedes Monat mehr Familienbeihilfe für alle, und 150 Millionen in die Kinderbetreuung investieren. Positiver Nebeneffekt: Keine zusätzlichen Kosten und Arbeitsplätze, das wäre gerade in der Krise so wichtig.

2. Hauptaussage:

Bildung schützt vor einem Dasein als Working Poor. Manche Personengruppen sind trotz Arbeit armutsgefährdet – das trifft oft Frauen, weil sie in schlecht bezahlten Branchen tätig sind. Zwei Antworten darauf:

* Es gibt laufende Weiterbildung und Höherqualifizierung von Frauen (Bildungskarenz, Bildungsteilzeit, Fachkräftestipendium). Auch das AMS ist hier wirklich stark unterwegs – 50 Prozent der Mittel werden für Frauen, FiT-Programme usw. verwendet.

* Wir brauchen einen Mindestlohn von 1.500 Euro in allen Branchen.