Heinisch-Hosek: Zusammenarbeit von Politik und Gewerkschaft bringt neue Qualität der Frauenpolitik

Frauenministerin zieht beim ÖGB-Bundesfrauenkongress in Wien frauenpolitische Bilanz und gibt Ausblick auf kommende Schritte

"Wir haben zahlreiche Maßnahmen gemeinsam entwickelt und umgesetzt. Vom Einkommensbericht, der verpflichtend zu legen ist, über die verpflichtende Gehaltsangabe bei Stelleninseraten bis hin zum Gehaltsrechner, der nun neuerlich aktualisiert wurde. Die Zusammenarbeit von starker Frauenpolitik in der Gewerkschaft und in der Politik hat zu einer neuen Qualität geführt", sagte Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek in ihrem Referat auf dem ÖGB-Bundesfrauenkongress in Wien. "Nicht zuletzt wurden jährlich 7.000 Kinderbetreuungseinrichtungsplätze und damit in drei Jahren gut 10.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Trotzdem ist das Betreuungsangebot noch lückenhaft. Um mehr Mittel zum flächendeckenden Ausbau zu bekommen, sollten Steuerbegünstigungen fallen, die ohnedies nur selten abgeholt werden." Ebenso wichtig sei es allerdings, auch für die Altenbetreuung vorzusorgen, die bis heute meist von Frauen und privat geleistet werde.

"Viele Menschen haben sehr ähnliche, grundlegende Wünsche: Gesundheit, einen sicheren Arbeitsplatz, Zukunft für die Kinder und Absicherung im Alter", so die Ministerin. Gerade in Krisenzeiten dürfe der Sozialstaat nicht ins Wanken gebracht und Frauenpolitik zurückgedrängt werden. Doch immer wieder seien Frauen von Armut bedroht. Die Frauenerwerbsquote in Österreich sei zwar höher als im EU-Durchschnitt, doch die Zahlen beruhten auf einer hohen Teilzeitquote. "Oft sind es 'Frauen auf Abruf', denen bis zu 30 Prozent weniger bezahlt wird. Man könnte den Eindruck gewinnen, hier will sich jemand Lohnkosten ersparen", so Heinisch-Hosek. "Als Schutz vor Altersarmut sollten Frauen so kurz wie nur möglich Teilzeit arbeiten."

Ebenso wäre eine vorzeitige Erhöhung des Frauenpensionsantrittsalters eine Gefahr für Altersarmut. "Wir dürfen nicht vergessen, dass die Hälfte der Frauen aus Arbeitslosigkeit oder Krankheit in Pension geht", erläuterte Heinisch-Hosek. "Ich will daher genau wie die Gewerkschaft keine vorzeitige Anhebung."

Für ein gesundes Arbeitsleben sei es allerdings auch unabdingbar, dass die Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht nur als Leitsatz in den Betriebsvereinbarungen stehe, sondern auch gelebt werde. Ebenso seien spezielle Programme wie fit4work wichtig. "Ich sage aber auch deutlich: 'Runter mit den Überstunden!' Wenn ein Euro pro Überstunde in Arbeitsmarkt und Gesundheit investiert würde, würden wir mehrere Fliegen mit einem Schlag treffen: Die Arbeit könnte besser verteilt, die innerbetriebliche Vorsorge gestärkt und vor allem die allgemeine Zufriedenheit gehoben werden. Wenn das passt, steigt auch die Produktivität."

Die Frauenministerin kündigte an, sich weiterhin für Frauen in der Arbeitswelt stark zu machen. Sie forderte die Ausweitung des Einkommensberichts auf kleinere und mittlere Betreibe und verpflichtende Frauenförderpläne. "Es ist wichtig, über eine neue Bewertung der Arbeit zu reden."

"Wir müssen soziale Gerechtigkeit und Wirtschaft vereinbar machen. Dazu gehört auch schon, dass Kinder höhere Bildungschancen bekommen und Defizite rechtzeitig ausgeglichen werden. Unser kleines Land hat viel weibliches Potential, das es groß machen kann", schloss die Frauenministerin.

Foto: Regina Aigner/BKA