Heinisch-Hosek: „Mehr Frauen zum Heer, mehr Männer in Sozialberufe“

„Ich sage: Nutzen wir das Potenzial der Frauen, lassen wir es nicht brach liegen! Das System der Wehrpflicht, wie es jetzt noch ist, enthält dem Heer die besten Köpfe vor; und es verstellt Frauen die Chance auf eine Karriere.“ (Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek)

Im Moment kann man die Soldatinnen im österreichischen Bundesheer noch mit der Lupe suchen. Gerade einmal 2 Prozent beträgt der Frauenanteil der Truppe. In Ländern, die schon lange ein Berufsheer haben, schaut das ganz anders aus. In Schweden liegt der Frauenanteil beispielsweise bei 13 Prozent, in Ungarn bei 20 Prozent. Mehr Profis im Heer bedeutet auch mehr Frauen im Heer, da sprechen die Zahlen eine eindeutige Sprache.

Die allgemeine Wehrpflicht führt dazu, dass wir einen 98%-igen Männeranteil haben. Frauen können sich zwar freiwillig melden, doch sie sind – das bringt das System der allgemeinen Wehrpflicht für Männer mit sich – dort die Außenseiterinnen, die Exotinnen. Und wir wissen, dass es eine „kritische Masse“ geben muss, damit Frauen sich nicht mehr marginalisiert fühlen und mehr werden. Die Wehrpflicht verhindert genau das. Oder positiv formuliert: Ein Berufsheer macht Platz für Profis, egal ob Frauen oder Männer.

Das Potenzial an Frauen ist da, soviel steht fest: In einer von Norbert Darabos präsentierten IFES-Studie haben 20.000 Frauen ihr Interesse für das Profiheer bekundet. Die Hälfte davon sind sogenannte „High Potentials“, die über einen Matura- oder Uniabschluss verfügen und sagen: Das Profiheer ist eine echte Chance auf Karriere, auf Leistungsmöglichkeiten, die ich sonst nicht habe. Nutzen wir dieses Potenzial, lassen wir es nicht brach liegen! Das System der Wehrpflicht, wie es jetzt noch ist, enthält dem Heer die besten Köpfe vor; und es verstellt Frauen die Chance auf eine Karriere.

Alle Statistiken sagen uns, dass die Wehrpflicht auf Dauer nicht aufrechterhalten werden kann, weil wir aufgrund geburtenschwacher Jahrgänge zu wenige junge Männer haben. Die Konsequenz wäre eine allgemeine Wehrpflicht auch für Frauen, wie es einzelne Teile der ÖVP immer wieder fordern. Das wird es mit uns nicht geben. Sicherheit braucht Profis und keinen Zwangsdienst. Den lehnen wir für Männer ab – und ihn auch für die Frauen einzuführen, kommt nicht in Frage.

Profis braucht es auch im sozialen Bereich. Diejenigen, die das Sozialjahr als Alternativangebot für Frauen anstatt des Militärs sehen, sind am Holzweg. Das bezahlte, freiwillige Soziale Jahr ist ein Angebot für Frauen und Männer. Es ist eine Chance, in Berufe hineinzuschnuppern oder sich einmal eine berufliche Auszeit oder Umorientierung zu gönnen, mit angemessener Entlohnung und sozialer Absicherung. Davon haben Frauen und Männer etwas.

Unser Ziel ist: Mehr Frauen im Heer und mehr Männer in Sozialberufen. Denn das bringt langfristig mehr Chancengleichheit in der Gesellschaft.

Foto: BKA/Regina Aigner