Wurm: Lohnsteuerstatistik 2011 verdeutlicht erneut Einkommensungleichheit

Einkommensschere klafft immer noch weit auseinander – 71,6 Prozent der einbehaltenen Lohnsteuer ging auf Konto von Männern

Die heute präsentierte Lohnsteuerstatistik für das Jahr 2011 verdeutlicht erneut, dass in Österreich immer noch große Ungerechtigkeit in Sachen Einkommen herrscht. "Obwohl nur 50,3 Prozent der Steuerpflichtigen Männer waren, betrug ihr Anteil an den Bruttobezügen 62 Prozent, bei der einbehaltenen Lohnsteuer sogar 71,6 Prozent. Dies zeigt wie weit die Einkommensschere in Österreich noch immer auseinanderklafft", betont SPÖ-Frauensprecherin Gisela Wurm heute, Donnerstag, im Gespräch mit dem SPÖ-Pressedienst.

Für Wurm steht fest, dass die langjährige frauenpolitische Forderung nach gleichem Lohn für gleiche Qualifikation und Arbeit "endlich zur Selbstverständlichkeit werden" muss. "Es kann nicht sein, dass eine Frau weniger Gehalt erhält, nur weil sie eine Frau ist", kritisierte Wurm. "Wir müssen hier endlich Einkommensgerechtigkeit schaffen. Und diese kann nur mit einem Bündel an Maßnahmen erreicht werden", erklärte Wurm. Mit dem Gehaltsrechner, den verpflichtenden Einkommensberichten, den verpflichtenden Gehaltsangaben in Stelleninseraten wurden von Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek hier schon "starke Instrumente im Kampf gegen die Lohnschere" umgesetzt. "Diese müssen von Frauen und Unternehmen noch stärker genützt werden", fordert Wurm.

Einen weiteren Grund für die eklatanten Unterschiede im Bereich der Lohnsteuer sieht die SPÖ-Frauensprecherin aber vor allem darin, dass viele Frauen – meist aufgrund fehlender Kinderbetreuungseinrichtungen – nur in Teilzeitbeschäftigung arbeiten können. "Hier braucht es flächendeckende, qualitativ hochwertige Kinderbetreuungseinrichtungen", sagte Wurm, die den von Frauenministerin Heinisch-Hosek angestrebten Rechtsanspruch auf einen Kinderbetreuungsplatz ab dem ersten Lebensjahr "mit voller Kraft unterstützt". Um Frauen aus der "Teilzeitfalle" zu befreien, müsse weiters die Aufgabenverteilung bei der Kinderbetreuung und im Haushalt fair zwischen den Partnern aufgeteilt werden. Hier gehe z.B. der öffentliche Dienst mit dem Papamonat mit gutem Beispiel voran.

Weiters sei es notwendig junge Frauen noch stärker für technische und handwerkliche Berufe zu begeistern, da diese – noch männlich dominierten Berufsfelder – meist höhere Gehälter bringen als "frauentypische" Berufe. "Außerdem ist es höchst an der Zeit die Berufe im Sozial- und Gesundheitsbereich aufzuwerten. Denn es ist absolut unverständlich, warum eine Stunde Autoreparatur mehr wert sein soll, als eine Stunde Pflegeleistung an einem Menschen", betonte Wurm.

"Es wurden bereits zahlreiche Schritte gesetzt und wir befinden uns auf einem guten Weg. Aber es gilt noch zahlreiche Steine aus dem Weg zu räumen und Hürden zu beseitigen, bis wir in Österreich von echter 'Chancengerechtigkeit' zwischen Frauen und Männern sprechen können", unterstrich die SPÖ-Frauensprecherin.

Foto: Parlamentsdirektion/Wilke