Equal Pay Day: Lohnschere schließt sich nur langsam – Wurm: „Transparenz als wichtigstes Instrument“

Tirolerinnen arbeiten ab 25. September „gratis“ – Männer verdienen 26% mehr / Tirol liegt im Bundesländervergleich an drittletzter Stelle

Vollzeit beschäftigte Männer verdienen in Tirol 42.006,- Euro brutto pro Jahr. Frauen nur 30.766,- Euro. Das ist ein Unterschied von mehr als 26 %. Im Vergleich der Bundesländer liegt Tirol nach Vorarlberg und Oberösterreich an drittletzter Stelle und begeht den Equal Pay Day heuer am 25. September. Ab diesem Tag arbeiten die Tirolerinnen statistisch gesehen „gratis“.

Bundesweit findet der Equal Pay Day am 6. Oktober statt, Tirol hat sich gegenüber dem Vorjahr um zwei Tage verbessert. Obwohl sich die Gehaltsschere in den vergangenen Jahren also ein wenig geschlossen hat, ist der Unterschied beim Verdienst zwischen den Geschlechtern immer noch erschreckend groß.

Die SPÖ-Frauen Tirol luden daher heute zu einer Straßenaktion vor dem Sillpark, um auf die immer noch bestehende Problematik aufmerksam zu machen und sich für faire Löhne einzusetzen.

Die gesetzliche Verankerung der Lohntransparenz war ein Meilenstein: „Mit der Verpflichtung zu Einkommensberichten in den Betrieben und Gehaltsangaben in Stelleninseraten wurden im vergangenen Jahr starke Instrumente geschaffen, die Frauen eine Orientierung geben, mit der sie fordern können, was ihnen zusteht“, so die Frauenvorsitzende der SPÖ Tirol, NRin Gisela Wurm.

Nachrechnen, ob man genug verdient, kann jede/r unter www.gehaltsrechner.gv.at.

Die Tendenz, „klassische“ Frauenberufe zu ergreifen, wird unter anderem für die Lohnunterschiede verantwortlich gemacht. Hier braucht es Aufklärung der jungen Frauen schon während der Schulzeit. Es könne aber nicht sein, dass jede Frau Malerin oder Ingenieurin werden müsse, damit sie mehr verdiene, so Wurm: „Frauenarbeit muss insgesamt höher bewertet werden.“

Im Bund wurde der Frauenanteil in Führungspositionen von 2006 bis heute von 15,8% auf 23,2% angehoben. Die Privatwirtschaft hinkt hier noch hinterher. Hier gilt es, auch die Unternehmer in die Pflicht zu nehmen. Diskutiert wird daher derzeit die Verankerung betrieblicher Frauenförderung im Gleichbehandlungsgesetz.
Studien belegen übrigens eindeutig, dass sich gemischte Führungsteams positiv auf den wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen auswirken.

Frauen leisten generell auch mehr nichtbezahlte Überstunden als Männer, dafür bekommen Männer schneller Lohnerhöhungen.

Das Anfang September präsentierte Arbeitsklima Index der AK OÖ zeigte, dass 42 % der Arbeitnehmerinnen der Meinung sind, beim Einkommen benachteiligt zu sein, fast ein Drittel fühlt sich bei Beförderungen übergangen.

„Trotz positiver Entwicklungen sind wir noch lange nicht am Ende des Weges zu gerechter Entlohnung angelangt. Wir müssen jetzt beharrlich bleiben, damit Ungerechtigkeiten im Erwerbsleben bald der Vergangenheit angehören“, so Wurm.