Heinisch-Hosek: Wir brauchen eine Politik, die Frauen effizient dabei unterstützt, eine Familie haben zu können

Steuererleichterungen helfen nur wenigen, Sachleistungen kommen hingegen den meisten Frauen zu Gute

"Die Mehrzahl der Frauen wünscht sich zwei Kinder und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Aber die wenigsten verwirklichen ihr Ziel", so Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek zu Beginn der Podiumsdiskussion "Was Familien brauchen – Ansätze einer modernen Familienpolitik" im Frauenministerium, die gemeinsam mit VP-Nationalratsabgeordneter Adelheid Fürntrath-Moretti, der Bundesvorsitzenden von "Frau in der Wirtschaft" der Wirtschaftskammer, und Norbert Neuwirth vom Institut für Familienforschung stattfand.

"Derzeit werden 5,3 Milliarden Euro pro Jahr für Familienleistungen ausgegeben, trotzdem entschließen sich immer weniger Frauen und Männer in Österreich dazu, eine Familie zu gründen", so Heinisch-Hosek. Denn vergleichsweise viele Mittel würden über direkte Geldleistungen vergeben, ein Teil über Steuererleichterungen, dafür aber weniger als Sachleistung – zum Beispiel in Form von Kinderbetreuung für Familien – zur Verfügung gestellt. "Da gibt es ein Ungleichgewicht im Verhältnis von Geld- zu Sachleistungen. Zuviel Geld für alle nützt offenbar wenig. So sind wir weit entfernt vom Barcelona-Ziel bei der Betreuung der Unter-3-Jährigen: Die sollte bei 33 Prozent liegen, wir stehen derzeit bei knapp über 19 Prozent. Und wenn ich mir dann etwa Vorarlberg anschaue, wo es im Kindergarten über 38 Schließtage gibt, während es in Wien nur fünf Tage sind, muss ich sagen: Wir haben in ein flächendeckendes Netz an ganztägigen Betreuungsformen sowohl in der Stadt wie auch am Land zu investieren, das bringt den Familien mehr", so die Ministerin.

So habe die Anstoßfinanzierung des Bundes von je 15 Millionen Euro 24.000 Betreuungsplätze gebracht und zudem 9.000 Arbeitsplätze geschaffen. "Ich würde daher Absetzbeträge und Kinderfreibeträge streichen, um damit in ein besseres Angebot an Kinderbetreuungsplätzen investieren zu können."

Und gleichzeitig sei auch, so Heinisch-Hosek, für mehr Qualifizierung und soziale Sicherheit zu sorgen. Schließlich sollten Betreuungseinrichtungen auch Bildungseinrichtungen sein. "Zur Sicherung der pädagogischen Qualität brauchen wir dringend ein Bundesrahmengesetz, um einheitliche Standards festzulegen." Familienpolitik müsse ebenso Bildungspolitik wie auch engagierte Gesellschafts- und Sozialpolitik sein. Denn Familie führe leider oft noch immer zur Armutsgefährdung. "Der Zugang zu Kinderbetreuungseinrichtungen, die auch wertvolle Bildung bieten, und schließlich auch der Zugang zu Ganztagsschulen, muss in ganz Österreich gewährleistet werden, damit Frauen sich Familie auch wirklich leisten können", so Bundesministerin Heinisch-Hosek abschließend.

Die Podiumsdiskussion war der Auftakt der Veranstaltungsreihe "frauen.steuern.wirtschaft" und wird im Dezember 2012 mit dem Thema "Frauen und Steuersystem" fortgesetzt.

Foto: BKA/ Georg Stefanik