Wurm: Nationaler Aktionsplan zur Bekämpfung des Menschenhandels muss umgesetzt werden

SPÖ-Frauensprecherin und Leiterin der österreichischen Delegation der parlamentarischen Versammlung des Europarates, Gisela Wurm, kritisiert die tendenziell zu milden Urteile für Menschenhändler und fordert die dringende Umsetzung des Nationalen Aktionsplans zur Bekämpfung des Menschenhandels. "Menschenhandel ist die moderne Form der Sklaverei und liegt neben dem internationalen Waffen- und Drogenhandel bereits an dritter Stelle hinsichtlich der Gewinne. Das Leid der Opfer ist unerträglich und muss ernst genommen werden. Auch von der Justiz", so Wurm am Freitag gegenüber dem SPÖ-Pressedienst. ****

Die aktuellen Fälle zeigen, dass die internationale Zusammenarbeit der Polizeiorgane mit den Opferschutzeinrichtungen gut funktioniert. "Es stimmt jedoch bedenklich, wenn Opfer bereit sind auszusagen und die angeklagten Kriminellen nach der Urteilverkündung aufgrund der milden Urteile, diese beklatschen", so Wurm. Die SPÖ-Frauensprecherin unterstützt hier die Meinung von Expertinnen und Experten, die im Zusammenhang mit der Bekämpfung des Menschenhandels, die fehlende abschreckende Wirkung der heimischen Rechtssprechung und das Fehlen einer general- beziehungsweise spezialpräventiven Wirkung dieser kritisieren. "Die österreichische Bundesregierung hat mit dem Nationalen Aktionsplan zur Bekämpfung des Menschenhandels vorbildhafte Aktionen zur nationalen Koordination, Prävention, Opferschutz, Strafverfolgung und internationalen Zusammenarbeit gesetzt. Diese Standards müssen ernst genommen werden", so Wurm.

Weltweit werden laut UNO 2,4 Millionen Menschen jährlich Opfer von Menschenhandel, 140.000 davon in Europa. Am häufigsten sind Frauen und Kinder davon betroffen. "Wenn man bedenkt, dass internationale kriminelle Netzwerke mit der "Ware Mensch" bereits 32 Milliarden Dollar pro Jahr erzielen, erkennt man die schreckliche Dimension dieser Form des organisierten Verbrechens", so Wurm. Die SPÖ-Frauensprecherin fordert Sensibilisierungs- und Bewusstseinsmaßnahmen und ortet Schulungsbedarf innerhalb der Justiz, diese Dimension auch ernst zu nehmen, denn so Wurm: "Wenn die Täter nicht wegen Menschenhandel, sondern wegen Zuhälterei und Prostitution angeklagt sind, ist das zum einen ein Schlag ins Gesicht der Opfer und zum anderen eine Verharmlosung der kriminellen Tat".