Leserinnenbrief von Tanja Wehsely, Wiener Gemeinderätin und Landtagsabgeordnete

Sehr geehrter Herr Chefredakteur Lackner!
Werte KollegInnen!

Ich stelle mir bei der Lektüre dieses Artikels z.B. die Frage: Was sagen die Kolleginnen der beiden Autoren dazu, dass sich profil offenbar zur Kampfgazette einer frustrierten Männerbewegung aufschwingt? Und was sagen sie dazu, dass die Kollegen die berufliche Diskriminierung von Frauen ins Reich der Mythen und Märchen verweisen?
Ein Beispiel für berufliche Diskriminierung gefällig?
Nehmen wir einfach das profil-Impressum zur Hand: Chefredaktion: zu hundert Prozent männlich besetzt, Redaktionsleitungen: männlich dominiert, es findet sich einzig Angelika Hager, die eine Redaktionsleitung innehat. Wenn das nicht mit struktureller Diskriminierung von Frauen erklärbar ist, so müsste ich mich gewaltig irren. Sind die Kolleginnen schlechtere Journalisten und deshalb nicht in der Lage, eine Redaktion zu führen? Wohl kaum…

Insofern ist die Fortführung des „Geschlechterkampfs“ mit anderen Mitteln durch Bauer und Treichler schnell durchschaut. Denn die Fakten lassen sich nicht leugnen:
–       Die Lohnschere gibt es: Nicht jeder Betrieb hat vorbildliche BetriebsrätInnen, die für die Lohngerechtigkeit der ArbeitnehmerInnen kämpfen (können).
–       Frauen arbeiten weiterhin in Niedriglohnbranchen. Und das ganz sicher nicht, weil sie schlechtere Arbeit leisten.
–       Frauen verrichten den überwiegenden Teil der Kindererziehung. Währenddessen machen Männer Karriere.
–       Frauen verdienen weniger. Und selbst wenn die „bereinigten“ Daten der beiden Autoren stimmen, bleibt klare Diskriminierung von Frauen übrig.

Erst wenn die Lohnunterschiede aufgehoben sind werden wir uns zufrieden geben. Erst wenn „Halbe/Halbe“ durchgesetzt ist und Gleichstellung in allen Lebenslagen umgesetzt ist, werden wir uns zufrieden geben.

Verunglimpfungen von Feministinnen haben eine lange Tradition, Argumente reichen ja oft nicht, daher müssen Untergriffe und Vorhaltungen her. Fragt sich allerdings wer sich hier in der Opferrolle fühlt…

Wie dem auch sei: Einstweilen sind wir in Wien stolz darauf, im Sinne der Autoren ganz „antiquierte“ Unterstützungen für Frauen und Wiedereinsteigerinnen z.B. über den Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds (waff) anzubieten, um dem Ziel des Abbaus der bestehenden Benachteiligung von Frauen am Arbeitsmarkt näher zu kommen.

Mit besten Grüßen,
Mag.a (FH) Tanja Wehsely

Wiener Gemeinderätin und Landtagsabgeordnete
Stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds (waff)