Leserinnenbrief von Andrea Mautz, SPÖ-Bundesfrauengeschäftsführerin

Noch lange nicht vorbei

In der aktuellen Titelgeschichte im Profil starten zwei Autoren den krampfhaften Versuch die Lohnunterschiede zwischen Frauen und Männern aus der Welt zu schreiben und zu verharmlosen. Studien wie jene des Rechnungshofes zu den Lohnunterschieden bei Vorständen in österreichischen Unternehmen werden zurechtgedreht und mit "profil-internen" Berechnungen negiert. Tatsachen, wie jene, dass Österreich bei der Lohngleichheit zu den Schlusslichtern in Europa zählt, werden mit dem Hinweis auf die hohe Frauenbeschäftigungsquote weggewischt. Dass Dänemark trotz der europaweit höchsten Frauenbeschäftigungsquote 16 Prozent Lohnunterschied aufweist, wird geflissentlich übersehen.

Negiert werden auch reale Erfahrungen, die Frauen im Laufe ihres Berufslebens immer wieder machen müssen. Trotz gleicher Ausbildung, sind schon die Einstiegsgehälter in den meisten Berufen bei Frauen niedriger und die Unterschiede werden im Laufe des Berufslebens größer statt kleiner. Negiert werden auch reale Diskriminierungserfahrungen: Männernetzwerke, die Frauen bewußt ausschließen; Zusatzboni die mehrheitlich die Gehälter der Männer auffetten; Vorurteile und hämisches Gelächter, wenn Frauen ihre Rechte einfordern. Seit jeher haben Männer versucht, mit Verharmlosung und Verniedlichung Frauen "klein" zu halten. Männer kaschieren ihre Angst vor erfolgreichen Frauen hinter spöttischen Seitenhieben.

Ein solcher entlarvender Seitenhieb ist auch den Profil-Redakteuren in ihrer angeblich "nüchternen" Recherche unterlaufen. Den Equal Pay Day ausgerechten mit dem Welttag der Feuchtgebiete, der Hauswirtschaft und jenem des Artenschutzes zu vergleichen, zeigt was die Autoren in Wahrheit gegenüber Geschlechtergerechtigkeit empfinden. Angst, die sich hinter angeblicher Aufgeschlossenheit und abwertenden Bemerkungen verbirgt. Sehr geehrte Herren, ich muss sie jedoch enttäuschen: Der Kampf der Frauen nach gleichen Rechten ist noch lange nicht vorbei.

Mag.a Andrea Mautz
Bundesfrauengeschäftsführerin