Scheele/ Heinisch-Hosek: Rechte von Sexarbeiterinnen sind Frauenrechte

Pilotprojekt “Sophie” wichtige Beratungseinrichtung für Sexarbeiterinnen in Niederösterreich

In Niederösterreich sind derzeit etwa 640 Prostituierte registriert. Ihre Arbeit geschieht im Verborgenen, wird oftmals diskriminiert und kriminalisiert und ist mit großen Vorurteilen behaftet. Die Frauen haben viele Pflichten und zu erfüllende Auflagen, aber so gut wie keine Rechte. Darüber hinaus verfügen viele Sexarbeiterinnen über Migrationshintergrund und sind mit dem österreichischen Behördensystem nicht vertraut. Das Projekt Sophie bietet diesen Frauen vielseitige Hilfe in Form von Information, Beratung und Unterstützung an.

“Sophie – Bildungsraum für Prostituierte” ist eine Einrichtung der Volkshilfe Wien und sammelt in der Bundeshauptstadt schon seit 2003 Erfahrungen mit den Problemen und der Lebensrealität von Sexarbeiterinnen. In Niederösterreich informieren und beraten die Streetworkerinnen von Sophie seit Herbst 2010 kostenlos und direkt vor Ort. Unterstützt wird das Projekt vom Land Niederösterreich und vom Frauenministerium. Für die beiden verantwortlichen Politikerinnen, Landesrätin Scheele und Bundesministerin Heinisch-Hosek eine aus verschiedensten Gründen wichtige Initiative.

“Rechte von Sexarbeiterinnen sind Frauenrechte, deshalb sehe ich es als meine Aufgabe für diese Gruppe das Wort zu ergreifen”, erklärt Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek ihre Unterstützung für das Vorzeigeprojekt Sophie. “Viele Prostituierte arbeiten in Bordellen und Bars, andere in Laufhäusern oder am Straßenstrich. Manche Frauen werden zu sexuellen Dienstleistungen gezwungen und einige weitere bieten ihre Dienste illegal an. Diese Gruppe ist also keine einheitliche und dementsprechend unterschiedlich sind die Rahmenbedingungen ihrer Arbeit, ihre Schutzbedürfnisse und Interessen. Umso wichtiger ist die enge Zusammenarbeit von Sophie mit Expertinnen und den Betroffenen selbst”, so die Frauenministerin.

“Sophie ist ein unmittelbarer Beitrag zur Frauengesundheit in Niederösterreich”, ist Sozial- und Gesundheitslandesrätin Karin Scheele überzeugt. Sie erklärt ihre Beweggründe für die Förderung des Projekts mit Argumenten ihrer Ressortverantwortung: “In den Beratungsgesprächen der aufsuchenden Sozialarbeit von Sophie waren gerade Gesundheitsthemen immer wieder ein Schwerpunkt. Gesundheitsprävention, Safer-Sex, der Umgang mit Nachfragen von Freiern nach Sex ohne Kondom oder ungewollten Praktiken sowie mit Gewalterfahrungen spielen eine gewichtige Rolle in ihrer Arbeit. Darüber hinaus haben wir festgestellt, dass auffallend viele Frauen nicht krankenversichert sind. Krankheit führt daher oftmals zu hohen Schulden. Ein Großteil der Sexarbeiterinnen hat überdies minderjährige Kinder. Die Beratungstätigkeit von Sophie auch hinsichtlich von Angelegenheiten der Sozialversicherung und bei Behördengängen ist eine wichtige Unterstützung um die Familien bestmöglich zu integrieren und vor Armut zu schützen.”

800 Kontakte und über 200 Beratungsgespräche zeugen von hoher Akzeptanz. Landesrätin Karin Scheele freut sich auch über die bisherigen beeindruckenden Erfolge, die sich in der hohen Akzeptanz der Betroffenen widerspiegelt: “Es konnten bereits über 800 Kontakte zu Sexarbeiterinnen in Niederösterreich hergestellt werden. Dabei nahmen auch über 60 Frauen insgesamt etwa 200 Beratungen in Anspruch.”

Projektleiterin Mag.a Eva van Rahden gibt schließlich Einblick in die Praxis der Beratungstätigkeit von Sophie: “Im Vorfeld der ersten Einsätze in Niederösterreich gab es Gespräche mit der Exekutive und den Bezirksverwaltungsbehörden, für deren Kooperation und die gute Zusammenarbeit ich mich auch explizit bedanken möchte. Unser Team ist mobil und sehr flexibel. Die Einsätze finden einmal unter Tags und an einem anderen Tag in den Abendstunden statt, je nach Öffnungszeiten der Lokale. Durch unsere Vorarbeit in Wien, war unsere Tätigkeit sehr vielen Frauen schon bekannt, das erleichterte unsere Arbeit und wir konnten die Lokale schneller betreten als erwartet.” Van Rahden bestätigte den Schwerpunkt von Gesundheitsthemen in den Beratungsgesprächen, daneben standen Bereiche wie Gewalt, Schulden, Umgang mit Finanzen und Steuer, sowie Unterstützung bei der Wohnungssuche im Mittelpunkt des Interesses. “Die Teams sind mit einem Laptop, einem Scanner und einem Drucker ausgestattet. Dies ermöglicht es notwendige Dokumente auszutauschen und schnell helfen zu können”, so die Projektleiterin.

Heinisch-Hosek und Scheele sicherten abschließend zu, sich auch nach Ende des Pilotprojekts für die Weiterfinanzierung von Sophie in Niederösterreich einzusetzen. Ein Verbot der Prostitution lehnen alle drei Frauen ab. Frauenministerin Heinisch-Hosek: “Prostitution wird angeboten und nachgefragt. Das wird auch so bleiben. Ein Verbot ändert daran nichts. Aber Frauen müssen so gut wie möglich geschützt werden. Darum ist eine Forderung die Aufhebung der Sittenwidrigkeit. Über diese Maßnahme habe ich auch schon mit Justizministerin Beatrix Karl gesprochen. Dieser Schritt ist auch deshalb so wichtig, weil er zeigt, wie stigmatisiert sexuelle Dienstleistungen noch immer sind.”