„Wir kommen so weit wir gehen“

Fotohinweis: Andy Wenzel

100 Jahre Frauentag – Heinisch-Hosek: Wir sind am frauenpolitischen Wendepunkt angelangt

Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek hat am Dienstagabend anlässlich des 100-jährigen Jubiläums des Internationalen Frauentags zu einer Festveranstaltung unter dem Motto „Wir kommen so weit wir gehen“ geladen. In ihrer Festrede sagte
Heinisch-Hosek, dass die Gesellschaft an einem frauenpolitischen Wendepunkt angelangt sei. „Die Gleichstellung ist in den Köpfen der
Menschen angekommen, nur das Handeln hinkt noch hinterher. Es ist wichtig, auch im Handeln zu erkennen, dass wir auf das Potential von Frauen in unserer Gesellschaft nicht verzichten können“, so die Frauenministerin.

Viele Frauen in Österreich könnten aufgrund der zahlreichen Meilensteine, die in den vergangenen 100 Jahren von Frauen erkämpft
wurden, selbst bestimmen, wie sie ihr Leben gestalten, so Heinisch-Hosek. Ganz viele Frauen könnten es sich aber nicht aussuchen. „Für diese Frauen mache ich Politik, um ihre Lebenssituation so zu verbessern, dass sie die Freiheit haben, selbst zu bestimmen, welchen Weg sie gehen möchten.“ Die Frauenministerin betonte dabei, wie wichtig ein Mindestlohn von 1.300 Euro sei: „Keine Frau soll unter 1.300 Euro Brutto Vollzeit arbeiten.“

Erfreut zeigte sich Heinisch-Hosek über das Inkrafttreten der Einkommenstransparenz. „Ich bin stolz darauf, dass Unternehmen ab
heute dazu verpflichtet sind, Einkommensberichte vorzulegen. Dieses Gesetz wird Österreich in der EU nach vorne bringen, was die
Lohnschere betrifft“, so Heinisch-Hosek. In Sachen Frauenquote sei sie zuversichtlich, dass in den nächsten Tagen eine Einigung auf eine Frauenquote in Aufsichtsräten von staatsnahen Unternehmen erfolgen werde. „Die Gespräche sind in der Endphase. Es sieht gut aus, dass wir eine Lösung finden, damit wir die 90 Prozent Männerquote wegbekommen“, so die Frauenministerin.

Bundeskanzler Werner Faymann sagte in seinen Begrüßungsworten, dass es wichtig sei, sich nach der Wirtschaftskrise verstärkt dem Thema Armut zu widmen, da vor allem Frauen von Armut betroffen sind. Das sei auch deshalb schmerzlich, weil es viele Spekulanten gibt, die nach der Krise nun erneut Profite machen, während von Armut Betroffene nichts von einem Aufschwung merken. „Wir müssen in Europa aufstehen, wenn es heißt, dass soziale Netze abgebaut werden sollen und klar sagen, dass wir die Spekulation verbieten und Armut beseitigen müssen“, so der Bundeskanzler.

Faymann betonte auch die Bedeutung der Zukunftsthemen Bildung und Ausbildung. Es sei wichtig, die Zukunftschancen junger Menschen besonders früh zu fördern. Dabei sei vor allem der Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen und ganztägigen Schulen wichtig. „Es ist eine zentrale Aufgabe, für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu sorgen. Es gibt noch viel zu tun und Widerstände zu überwinden, dafür braucht es das Engagement der Frauen“, so Faymann.

Nationalratspräsidentin Barbara Prammer erinnerte an die 100-jährige Geschichte des Frauentags und an die Frauen, die 1911 aufmarschiert sind, um das Frauenwahlrecht durchzusetzen. Ihre Forderung nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit sei aber auch heute noch nicht erreicht. Die Situation für Frauen habe sich zwar verbessert, aber den Platz, der Frauen gebührt, sei noch nicht erreicht. Daher gelte es auch heute noch, gleiche Chancen einzufordern und in die Vorstandsetagen vorzustoßen. Angesichts der Demokratiebewegungen in Nordafrika verwies Prammer auf das Engagement vieler Frauen in den Friedensbewegungen der letzten 100 Jahre. „Der diesjährige Frauentag muss daher auch im Zeichen unserer Sympathie und unseres Engagements für die Menschen in diesen Ländern stehen“, so Prammer.