SPÖ-Bundesfrauenkonferenz: Faymann – „Wir leben in einer Zeit, die nach Gerechtigkeit schreit“

Utl.: „Quoten dürfen nicht länger ein Freifach sein, sondern müssen zu einem Pflichtgegenstand werden“

Vösendorf (SK) „Wir leben in einer Zeit, die nach Gerechtigkeit schreit, weil die Ungerechtigkeit so stark zu spüren ist“, betonte Bundeskanzler Werner Faymann in seiner Begrüßungsrede auf der SPÖ-Bundesfrauenkonferenz in Vösendorf. Es sei unfassbar, welchen Schaden gierige Spekulanten und ungezügelte Finanzmärkte weltweit angerichtet haben. Manchmal könne man, so Faymann, angesichts der Tatsache, dass europaweit 800 Milliarden Euro für die Budgetkonsolidierung aufgewendet werden müssten, wütend werden, wenn man sich vergegenwärtige, dass mit diesen Summen dermaßen vielen Kindern und deren Familien ein Leben ohne Angst vor Armut zu bieten wäre. Umso wichtiger sei es nun, dass die Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten in Österreich, Europa und International dafür eintreten, dass Neoliberale und Konservative nicht wieder so weitermachen, wie bisher und damit der nächsten Krise den Weg bereiten. „Neoliberale, die einfach weitermachen wie bisher und sich wieder vom Strom treiben lassen, haben sicher die einfachere Ausgangslage“, so Faymann, daher sei es umso wichtiger, geschlossen und entschlossen für mehr Gerechtigkeit und damit auch für eine strengere Finanzmarktregulierung einzutreten, denn: „Es erfordert immer mehr Kraft, gegen den Strom zu schwimmen.“

In der heutigen Zeit sei die Gesellschaft von „Gerechtigkeit für alle“ noch weit entfernt. Gerade für Frauen sei es schwierig, Familie und Beruf parallel zu meistern, denn dazu müssten in Österreich flächendeckend Kinderbetreuungseinrichtungen und flächendeckend Ganztagsschulen existieren. Eine klare Absage erteilte der Bundeskanzler auch der konservativen Wertehaltung, wonach sich ausschließlich Frauen um die Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger in der Familie kümmern sollten. „Wir brauchen mobile und stationäre Pflegeeinrichtungen und einen Pflegefonds, der das finanziert“, betonte Faymann. Der Bundeskanzler sprach sich einmal mehr für verpflichtende Frauenquoten aus: „Quoten dürfen nicht länger ein Freifach sein, sondern müssen zu einem Pflichtgegenstand werden“.

Europaweit seien aktuell 40 Millionen Menschen und davon vor allem Frauen von Armut gefährdet, die Zahl steige stetig in Richtung 50 Millionen. „Armutsgefährdung bedeutet, nicht zu wissen, wie die Familie über die Runden kommen soll, nicht zu wissen, wie man im Alter menschenwürdig leben soll, nicht zu wissen, ob man sich einen Arztbesuch, Medikamente oder Pflege leisten oder die nächste Heizungsrechnung bezahlen soll“, so der Bundeskanzler, der einmal mehr verdeutlichte, dass die Sozialdemokratie auf der Seite dieser Menschen steht – und nicht auf jener „der Leute, die sich auf Magazincovern ablichten lassen und mit ihren Millionen prahlen“.

„Wir Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten treten mit unserer Wertehaltung gegen die alten neoliberalen und konservativen Weltbilder auf“, so Faymann, der unterstrich, dass dies manchmal auch mit Rückschritten verbunden sein könne. „Johanna Dohnal hat vielleicht nicht immer Recht bekommen, aber in unserem Wertesystem hat sie immer Recht behalten. So ist es auch heute wieder ein Gebot der Stunde, gegen Ungerechtigkeit aufzutreten. Auf uns alle kommt es an, dass wir gemeinsam dafür eintreten, wofür schon Genossinnen und Genossen wie Johanna Dohnal, Rosa Jochmann oder Bruno Kreisky eingetreten sind – für Gerechtigkeit“, so der Bundeskanzler abschließend. (Forts.)